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Keine Chance für Tachobetrüger: So erkennen Sie die wahre Laufleistung

AUTOR: REDAKTION | 26. JUNI 2018


Keine Chance für Tachobetrüger: So erkennen Sie die wahre Laufleistung

Der aktuelle Kilometerstand ist bei einem Gebrauchtwagen eine der wichtigsten Rahmenbedingungen und entscheidend für den aktuellen Preis des Fahrzeugs. Insbesondere die Manipulation des Tachostands ist somit für viele Betrüger lohnenswert und kann schnell einige Tausend Euro zusätzlich einbringen. Im Folgenden zeigen wir Ihnen, wie man sich vor einem solchen Betrug besser schützen kann.

Manipulation beim Tachostand erkennen

Wer nach einem Gebrauchtwagen sucht, der wird die magische Grenze von 100.000 Kilometer kennen. Denn Fahrzeuge, die diese Grenze überschritten haben, sind oft deutlich günstiger als jene mit einer geringeren Laufleistung. Dieser Umstand bedeutet jedoch auch, dass jeder Kilometer, der vom Tacho des Fahrzeugs „entfernt“ wird, zu einem höheren Verkaufspreis führen kann. Aus diesem Grund ist es leider kaum verwunderlich, dass manche Verkäufer auf den Tachobetrug setzen. Behörden gehen sogar davon aus, dass mittlerweile jedes dritte Fahrzeug von einem entsprechenden Betrug betroffen ist.


Die Manipulation ist dabei vergleichsmäßig einfach, denn ein digitaler Tacho lässt sich mit einem elektronischen Helfer manipulieren. Dieser ist günstig und der Betrug in der Praxis nahezu kaum identifizierbar.

Die Folgen eines Tachobetrugs

Von einer „Win-Win-Situation“ ist der Tachobetrug weit entfernt. Denn lediglich der Verkäufer des Fahrzeugs kann sich über einen höheren Verkaufspreis freuen, da die Manipulation ansonsten nur Risiken und Gefahren birgt. Einerseits leidet der Käufer des Fahrzeugs unter der zu hohen Kaufsumme. Durch die Manipulation wird der Restwert des Fahrzeugs fälschlicherweise angehoben und die reale Laufleistung verborgen. Laut Experten beläuft sich der jährliche Schaden auf bis zu sechs Milliarden Euro. So werden jährlich rund zwei Millionen Gebrauchtwagen-Käufer das Opfer von Fahrzeugmanipulationen.


Sobald der Verkäufer Garantie-Reparaturen in einer Markenwerkstatt durchführen lassen möchte, können erhebliche Probleme entstehen, denn der Hersteller und die Werkstatt können die Garantie oder Kulanzarbeiten aufgrund des manipulierten Tachostandes verweigern. Um dies zu verhindern, hat der BGH ein Urteil gesprochen, welches die Kunden schützen soll. Doch auch bei typischen Wartungsarbeiten am Fahrzeug kann es zu Problemen kommen. So gibt es je nach Hersteller und Laufleistung verschiedene Wartungs- und Austauschintervalle. Dies betrifft beispielsweise den Zahnriemen oder das Motoröl. Wird der Tachostand verringert, so können die wichtigen Termine unbeabsichtigt versäumt werden und es entstehen möglicherweise kostspielige Schäden am Fahrzeug.

So werden die Tachos manipuliert

In einem modernen Auto ist der Tachostand in einer Vielzahl von Steuergeräten hinterlegt. Mittels eines Diagnosegeräts, welches die OBDII-Schnittstelle im Fahrzeug nutzt, kann dieser Kilometerstand überschrieben werden. So bieten sich heutzutage zum Beispiel illegale Dienstleister an, welche den Kilometerstand eines Fahrzeugs im Rahmen eines geheimen Treffens auf der Autobahn manipulieren. Wer nicht auf solch ein Treffen setzen möchte, der kann sich die entsprechenden Geräte für relativ wenig Geld im Internet zulegen.

Kann Tachobetrug erkannt werden?

Wer den Kauf eines Gebrauchtwagens in Betracht zieht, der sollte verschiedene Informationen in Betracht ziehen. Mit einer intelligenten Kombination verschiedener Faktoren kann ein Betrug schnell, direkt oder sogar indirekt aufgedeckt werden.

Grundsätzlich ist es immer intelligent, den aktuellen Kilometerstand eines Fahrzeugs zu hinterfragen. Ein typischer Deutscher bewegt ein Fahrzeug jährlich um die 12.000 Kilometer. Dahingegen kommt ein Vielfahrer auf mindestens 20.000 Kilometer. Dies trifft insbesondere auf Dieselfahrzeuge zu, so dass beispielsweise eine jährliche Laufleistung von lediglich 5.000 Kilometer sehr gut begründet werden sollte. Zudem sollten sämtliche Reparaturrechnungen und die AU- und TÜV-Berichte angefordert werden. Handelt es sich um einen ehemaligen Dienstwagen, so sollte auch ein Blick auf die Abrechnungen geworfen werden, denn hier stehen die aktuellen Kilometer. Wird etwa der nächste Ölwechsel bei 150.000 Kilometer angegeben und das Fahrzeug verfügt über eine Laufleistung von nur 100.000 Kilometer, so sollte eine gewisse Skepsis gewaltet werden, denn der Ölwechsel findet je nach Auto meist ungefähr alle 30.000 Kilometer statt, wenn nicht noch häufiger.

Wenn möglich, sollte auch der Vorbesitzer des Fahrzeugs kontaktiert werden. Dieser ist in der Zulassungsbescheinigung Teil II eingetragen und kann Informationen über die Laufleistung bei Abgabe des Fahrzeugs machen. Zudem sollte auch ein Blick auf die aktuellen Gebrauchsspuren geworfen werden. Insbesondere bei Schaltern, Lenkräder, Sitzen und auch Pedalen offenbaren sich Gebrauchsspuren. Wer Zugriff auf Diagnosegeräte hat, der kann diese Nutzen und die Steuergeräte auslesen. Durch den Einsatz spezieller Apps lässt sich der Betrug anschließend aufdecken.

Den Kaufvertrag richtig absichern

Wer sich gegen Betrug absichern möchte, der sollte auf die korrekte Formulierung im Kaufvertrag achten. Formulierungen wie „Kilometerstand abgelesen“ oder „Kilometerstand laut Tacho“ sind grundsätzlich nicht zu akzeptierende Aussagen. Vielmehr sollte im Vertrag der konkrete Kilometerstand niedergeschrieben werden.

Noch besser ist der Einsatz von sogenannten HSM-Chips in modernen Fahrzeugen. Diese können den Tachobetrug komplett unterbinden, werden jedoch nicht dafür angewendet. Vielmehr sollen diese Chips den Diebstahl und das Chip-Tuning unterbinden.

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