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Das richtige Anfängerauto: Das muss es mitbringen und können

AUTOR: REDAKTION | 06. FEBRUAR 2018


Das richtige Anfängerauto: Das muss es mitbringen und können

Nach der Fahrschule kann man zwar jeden PKW beherrschen, doch längst nicht jedes Vehikel bringt auch alles mit, was junge Anfänger benötigen.

Gute Gründe, mit 16 ½ den Führerschein zu machen, um so mit 17 begleitet und mit 18 unbegleitet fahren zu können, gibt es genug. Doch was muss ein Auto können, damit es als „Anfängerauto“ durchgeht? Der folgende Artikel verrät es.

Check 1: Das Auto an sich

„Irgendeinen günstigen, gebrauchten Kleinwagen“ ist der Gedankengang, der den meisten bei „Anfängerauto“ durch den Kopf geht. Doch leider ist er falsch. Denn „irgendein“ Auto wird einen sicherlich dazu führen, eines zu wählen, dass einen später bei der Versicherung ein Heidengeld kostet.

Um das zu erklären, muss man wissen, wie sich die Kfz-Versicherung aufbaut.

  • Alter von Fahrer und Fahrzeug
  • Jahreslaufleistung
  • Wohnsitz


sind nur einige der Eckdaten. Bestimmender ist jedoch die Typklasse. Denn hier rechnen die Versicherer nicht nur die deutschlandweiten insgesamt-Zulassungszahlen eines Automodells, sondern auch, wie oft damit Unfälle gebaut werden und wie hoch die Durchschnitts-Reparaturkosten sind.

Nimmt man nun „irgendeinen“ Kleinwagen, wurde dieser wahrscheinlich oft in Deutschland verkauft. Damit ist er schon rein statistisch öfter an Unfällen beteiligt. Beides Gründe, die ihn teurer zu versichern machen.

Statt ein Auto zu kaufen, kann es sinnvoll sein, sich für einen Leasingwagen zu entscheiden. Auf diese Weise wird auch ein Neuwagen plötzlich erschwinglich. Dabei ergeben sich noch weitere Vorteile:

  • Oft keine Anzahlung notwendig
  • Geringere Unterhaltskosten (Werkstatt, Reparatur) als bei einem Gebrauchtwagen
  • Höhere Sicherheitsstandards bei einem Neuwagen
  • Versicherungsbeiträge oft in Leasingrate inbegriffen


Im Falle eines Unfalls verliert der Wagen in der Regel an Wert. Dann ist der Leasinganbieter berechtigt bei Vertragsende einen entsprechenden finanziellen Ausgleich zu verlangen. Dies sollte ebenfalls in die Entscheidung mit einfließen.

Fazit 1: Alle Autos, die man in die engere Wahl nimmt, sollten zuvor in der Gesamtliste (Versicherung fragen) nach ihrer Typklasse abgeglichen werden. Ein Leasingfahrzeug kann eine Alternative zum Gebrauchtwagen sein.

Check 2: Die Kraftstoffart

Viele tendieren zum Diesel. Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren mehr Selbstzünder neu zugelassen als Benziner. Allerdings sollten Anfängerautos nicht zwangsläufig diesem Weg folgen.

Fakt ist: Ein Diesel verbraucht bei gleichem Hubraum tendenziell weniger als ein Benziner. Ebenso Fakt ist aber auch, dass Dieselmotoren höher besteuert werden. Daraus ergibt sich ein auszutarierendes Spiel, bei dem die Jahreskilometerzahl eine wichtige Rolle spielt. Selbst der ADAC kennt hier nur einen groben Richtwert, ab dem sich der Diesel rentiert; je nach Motorleistung 15.000 Kilometer jährlich.

Doch das ist nur ein Punkt. Der andere besteht in der täglich zurückgelegten Fahrstrecke. Damit ein Motor auf seinen optimalen Kraftstoffverbrauch kommt und seine Abgasreinigungssysteme vollwirken, muss er warmgefahren werden. Nachteil Diesel: dadurch, dass er so effizient mit dem Treibstoff umgeht, braucht er dafür wesentlich länger. Zudem ist der Motorverschleiß unterhalb der Betriebstemperatur auch signifikant erhöht. Wer immer nur Kurzstrecken im ein- oder niedrigen zweistelligen Kilometerbereich fährt, lenkt daher einen Diesel unwirtschaftlich.

Fazit 2: Die richtige Kraftstoffwahl hängt sowohl von der Jahreskilometerzahl als auch den täglich gefahrenen Wegen ab. Wer nur zweimal am Tag zwischen zwei beieinanderliegenden Orten pendelt, ist also mit einem Benziner besser bedient.

Check 3: Die Motorleistung

Auch bei der Power gibt es eine Anfängerauto-Glaubensregel: „Möglichst wenig“. Das stimmt auch, zumindest teilweise. Denn es ist eine Tatsache, dass Anfänger nicht nur ob ihrer mangelnden Erfahrung hinterm Steuer eine Risikogruppe sind, sondern auch, weil sie sich selbst oft überschätzen. Nicht umsonst wurde bereits 1986 mit der zweijährigen Probezeit eine Regelung ins Leben gerufen, die so auch heute noch Bestand hat. Sie gilt für die Führerscheinklassen A, B, C und D und auch für das begleitete Fahren. Es ist einfach so, mit 200 PS braucht es nur einen versehentlich zu heftigen Tipp aufs Gaspedal und man bewegt sich weit jenseits der Geschwindigkeitsbegrenzung und begeht somit einen A-Verstoß, der eine verlängerte Probezeit und ein Aufbauseminar nach sich zieht. Da muss nicht einmal böse Absicht im Spiel sein.

Aber es ist ein Irrglaube, dass ein schwacher Motor vom Rasen abhält. Auch mit 70km/h kann man auf einer Landstraße aus der Kurve getragen werden, egal wie lange das schwachbrüstige Triebwerk benötigt, um einen auf dieses Tempo zu bringen. Zudem besteht noch ein anderes Problem: Leistungsarme Motoren sind in vielen Fahrzuständen unnötig verbrauchsstark. Wer etwa täglich auf stark frequentierten Autobahnen unterwegs sein muss, bewegt einen schwachen Motor in durstigeren und Verschleiß-erhöhenderen Drehzahlbereichen, als es bei einem stärkeren Triebwerk der Fall wäre.

Fazit 3: Der Motor sollte nicht nur „Hauptsache schwach“, sondern vor allem danach gewählt werden, wie und wo das Auto hauptsächlich bewegt wird. Nur in einem überwiegend urbanen Umfeld ist Maximalschwäche angebracht.

Check 4: Die Ausstattung

Kommen wir zu einem Punkt, an dem Eltern und Fahranfänger unterschiedliche Meinungen haben. Für die Jugend zählt vor allem, dass das Auto viele „Spielereien“ hat: Bluetooth, Klimaautomatik, Sitzheizung, usw. Natürlich sind das auch sinnvolle Zubehöre, denn sie machen das Autofahren angenehmer.

Recht haben aber eher die Eltern, die auf Sicherheitsfeatures schauen. Hier besteht das Problem darin, dass nur wenige Sicherheits-Features in allen Autos aus diesem Jahrtausend Pflicht sind:

  • Airbags sind kurioserweise keine Pflicht, doch das absolute Mindestmaß sollten Fahrer- und Beifahrerairbag sein. Doch es gilt: Je mehr Airbags, desto besser.
  • ABS, das Antiblockiersystem, gehört zu jedem Auto, das seit Mitte der 90er in Deutschland verkauft wurde.
  • Das elektronische Stabilitätsprogramm ESC ist erst für Baujahre ab 2014 Pflicht. Dennoch sollte unbedingt darauf geachtet werden, weil insbesondere viele Kleinwagen aus früheren Baujahren ohne ausgeliefert wurden und ESC immens bei der Fahrzeugkontrolle in Extremsituationen hilft.
  • Gurte samt Gurtstraffer funktionieren im Notfall über Pyrotechnik und sind seit den 70ern (Gurt) bzw. den 90ern (Gurtstraffer) Pflicht. Ein Pluspunkt und Kaufargument ist, wenn auch die mittleren hinteren Sitze über einen vollwertigen Dreipunktgurt verfügen (Pflicht seit 2004).


Doch neben diesen reinen Sicherheitsfeatures gibt es auch noch Einbauten, die sich auf den ersten Blick als Komfort-Spielerei darstellen, auf den zweiten jedoch ebenfalls zur Sicherheit beitragen. Beispielsweise die Lenkrad-Fernbedienung des Radios. Sie verhindert, dass man zu dessen Bedienung den Blick von der Straße abwenden und eine Hand vom Lenkrad nehmen muss, ist also ein echter Sicherheitshelfer.

Ähnlich sieht es auch beim Fensterheber aus. Klar kann man auch an einem Dacia die Handkurbel während der Fahrt betätigen. Sicherer ist es jedoch, wenn man dazu einfach einen Knopf drücken muss.

Ein Blick sollte auch der Außen-Ausstattung gelten. Denn hier ist es vorteilhaft, auf unlackierte Stoßstangen zu setzen. Einfach weil bei Fahranfängern öfter Missgeschicke beim Einparken geschehen, das einen Lack rasch verkratzen würde.

Fazit 4: Mehr Ausstattung ist immer gut, im Zweifelsfall sollte jedoch die Regel „Sicherheit vor Komfort“ gelten. Speziell dann, wenn die Auswahl auf wenige Fahrzeuge zusammengeschrumpft ist.

Was ist nun das richtige Anfängerauto?

Wer den Text aufmerksam gelesen hat, der weiß bereits, dass es das Anfängerauto für alle schlicht nicht gibt. Doch es gibt eine Liste von Punkten:

  1. Es hat einen niedrigen Versicherungsschlüssel, unabhängig von der Bauweise.
  2. Die Kraftstoffart richtet sich nach der hauptsächlichen täglichen und gesamten Fahrdistanz.
  3. Seine Motorleistung ist so schwach wie möglich, aber so stark wie nötig.
  4. Bei der Ausstattung wird maximaler Fokus auf Sicherheit gelegt, auch auf „Zweiter-Blick“-Features
  5. Es ist so alt, dass der Preis angemessen ist, aber so neu wie möglich
  6. Die Laufleistung von Gebrauchten sollte nicht über 150.000 km liegen.


Heraus kommt ein Auto, das eventuell ein benzinbetriebener Kleinstwagen ist, vielleicht aber auch ein 15 Jahre alter Diesel-Kombi. Denn ebenso wie jeder Routinier hat auch jeder Fahranfänger unterschiedliche Bedürfnisse, die die Wahl des Autos einschränken.

(Bildquelle: fotolia.com © Gerhard Seybert)

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